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Flattr: Keine “Mindestgebühr” mehr

Seit dem 1. Mai gilt bei Flattr nicht mehr die Give before you get-Richtlinie. Man musste bisher sein Konto aufladen und monatlich mindestens 2 Euro an andere Projekten flattern, um selbst geflattert werden zu können. Wenn man nichts flatterte gingen die 2 Euro (oder welchen Betrag man gewählt hat) an eine gemeinnützige Organisation.

Jetzt also fällt der Aufladezwang weg. Damit will Flattr mehr Vertrauen bei potenziellen neuen Usern schaffen, die erst einmal sehen wollen, wie das ganze System funktioniert – ohne zuerst Geld quasi als Vorschuss einzuzahlen. Mir ging es genauso, und jetzt seht ihr auch bei mir die lustigen Buttons ;-) Im Flattr-Blog heißt es dazu:

But we know this requirement has put some people off Flattr, for example people that don’t trust new systems enough to enter their credit card number as the first thing.

Die Kehrseite der Medallie ist aber: Gibt es genug User, die ganz uneigennützig Geld spenden? Ich meine, man gibt so viel Geld für Zeitschriften oder DVDs aus… aber in der Anonymität des Internets mangelt es etwas an Anerkennungsmentalität. Die Inhalte sind einfach so da. Dass sich dafür jemand möglicherweise viel Mühe gemacht hat, ist vielen nicht so bewusst wie bei anderen Medien. Aber das Internet bietet neben viel Müll eben auch sehr viele qualitativ hochwertige Artikel, dass es schon angebracht wäre, manchen Inhalt mit einer kleinen Spende zu belohnen. Doch viele User, die selbst nicht Nutznießer des Flattr-Systems sind oder sein können, weil sie keinen Inhalt anbieten, werden die Registrierung möglicherweise immer noch scheuen, auch wenn Flattr sicher recht einfach gehalten ist.

Ob sich Flattr langfristig halten kann, hängt also zum einen an der Geber-Seite, sprich gibt es Leute, die bereit sind, freiwillig einen Beitrag zu zahlen? Zum anderen: Benutzen Seiten, die ich flattrn möchte, einen Flattr-Button? Wenn nein, ist es nix mit dem Flattrn. Es lohnt sich ja nur, sich anzumelden, wenn auch Seiten, die mich persönlich interessieren, Flattr nutzen. Dieses Problem will Flattr angehen, indem künftig auch Twitter-Accounts geflattert werden können sollen. Ich bin gespannt wie das umgesetzt werden soll, aber das würde natürlich die Zahl der möglichen Spendenempfänger dramatisch erhöhen.

Die eingangs erwähnte Give before you get-Politik ist übringens meiner Meinung noch implizit vorhanden, denn sobald sich Guthaben angesammelt, tritt die Mindestausgabe in Kraft. Ob das Guthaben eingezahlt oder gespendet worden ist, ist dabei ja unerheblich. Der Unterschied zu vorher ist, dass man ohne Guthaben immer noch geflattert werden kann. Aber es ist ja im Prinzip auch fair, wenn der der hat, die anderen an seinem Reichtum etwas teilhaben lässt. ;-)