Google hat einen neuen Ansatz präsentiert, wie künftig mit Urheberrechtsverletzungen auf YouTube umgegangen wird: der User wird auf die sogennante Copyright School geschickt; bzw. auf den Lehrgang zum Urheberrecht, wie es auf Deutsch heißt. Dort muss sich der User, wenn er einen Verstoß begangen hat, ein “Erziehungsvideo” anschauen, in dem die Happy Tree Friends gewaltfrei zeigen, was erlaubt ist und was nicht.
Das Video ist wirklich ganz nett gemacht und der Ansatz, zu versuchen, den User über seinen Verstoß aufzukären und nicht bloß eine Verwarnung auszusprechen, ist sehr begrüßenswert. Allerdings stellt Google das Thema Copyright teilweise verzerrt dar. Denn dem Nutzer wird suggeriert, dass nur völlig selbsterstellter Content (“original content”) akzeptable wäre. Das Fair Use-Recht, wie es in den USA heißt, wird im Video erwähnt aber von einer beschleunigten, computerartigen Stimme vorgelesen. Als ob man sagen wollte, dass dieses Recht eh nur Rhabarber wäre. Dieses Recht sieht z. B. vor, dass geschütztes Material zu parodistischen, Kritik- oder Bildungszwecken verwendet werden kann ohne dass es einer Lizenz bedarf. Das Video kommt deshalb recht einseitig daher und reflektiert nur die Interessen der Medienindustrie (die sicherlich legitim sind), dem User wird aber meiner Meinung nach ein falsches Bild von seinen Rechten vermittelt.
Anschließend an das Video sind Fragen zum Thema Urheberrecht zu beantworten. Erst wenn der “Copyright-Sünder” diesen Test bestanden hat, darf er wieder Videos hochgeladen.
Google hält unabhängig von der Copyright School weiterhin an der three stikes-Richtlinie fest, das heißt, dass beim dritten Verstoß die Accountsperrung erfolgt. Neu ist allerdings, dass Verwarnungen nach einem längeren Zeitraum ohne neuen Verstoß verfallen. Den genauen Zeitraum nennt Google in seinem YouTube-Blog allerdings nicht.
Insgesamt habe ich einen durchwachsenen Eindruck von Googles Copyright School, aber die neuen Sperrrichtlinien sind in jedem Fall sinnvoll. Wie Google selbst schreibt war es vorher möglich bei zwei Verwarnungen gesperrt zu werden, selbst wenn man die dritte erst vier Jahre später kassiert. Hier also ein Schritt in Richtung Nutzerfreundlichkeit. Und immerhin gibt’s ein Video mit den Happy Tree Friends
[via Basic Thinking]

